Liebes Reisetagebuch!

 

Heute habe ich einen Tagesausflug nach Massing unternommen. Helga und Klaus erzählten neulich so begeistert von diesem Markt im Rottal. Mit ihrer Reisegruppe hatten sie an einem speziell für sie zusammengestellten Ausflugsprogramm teilgenommen. Dieses Massing wollte ich mir daraufhin auch ansehen. Schon die Anreise gestaltete sich zu einem besonderen Erlebnis. Immer wieder verweilte ich, um die schöne Landschaft zu genießen: sanftes, fruchtbares Hügelland, durchzogen von saftig grünen Wäldern. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Kein Wunder, dass hier schon seit der Bronzezeit Menschen siedeln. Grabhügelfelder im Umland von Massing beweisen dies. Auch die Bajuwaren wussten schon früh die Besonderheiten des Rottals zu schätzen. 

Wie die Silbe "ing" am Ende des Ortnamens beweist, begründeten sie hier eine Siedlung. Ob der Name Massing von "Mazzo", vermutlich einem Sippenältesten, oder von "Mazza" = Messer stammt, das ist nicht so ganz sicher. Letzteres scheint jedoch wahrscheinlicher, da Massing am Ort einer Rodung entstand. In Massing stand sicher eine der ältesten Burgen im Rottal. Anfang des 12. Jahrhunderts treten die Edlen von Massingen auf. Sie waren ein bedeutendes Geschlecht. Der letzte, Boto von Massingen, starb 1190 bei der Teilnahme an einem Kreuzzug. Das Marktrecht könnte auf eine Freundschaft zwischen Boto und dem Kaiser Barbarossa zurückgehen oder aber es wurde dem Ort von Herzog Heinrich von Niederbayern nach seinem Erwerb ca. 1259 verliehen.


Was für ein herrlicher Fleck Erde! Das Zentrum Massings, der Marktplatz, lädt mich zum Verweilen ein. Nicht nur der schöne, weit ausladende Platz mit den bunten, in typischer Inn-Salzachbauweise errichteten Häuser ist sehenswert. Auch die Kapelle und der Brunnen sind es wert, näher betrachtet zu werden. Und so lasse ich mich in einem der Straßencafés nieder und genieße den Blick, der sich mir bietet. Später möchte ich noch ein bisschen in den vielen Geschäften stöbern, bevor ich mich den kulturellen Sehenswürdigkeiten zuwende, die Massing zu bieten hat ..


Das Hummelmuseum

 

Neben der wohl umfassendsten Ausstellung von alten Hummel-Figuren und Hummel-Puppen wird die Biographie der Berta Hummel (Familie, Kindheit und Jugend) ebenso gezeigt wie ihr künstlerischer Werdegang von der Volksschule bis zum Abschluss des Studiums an der Staatsschule für Angewandte Kunst in München. Überrascht war ich, da ich bis jetzt nur die "Hummelkinder" gekannt hatte, von der technischen Reife und Vielseitigkeit der jungen Berta Hummel: Landschaften, Stadtansichten, Stilleben, Pflanzenstudien, Aktzeichnungen, Kinderbilder, Porträts und Karikaturen.

 


Die berühmten Hummelfiguren sind wirklich jedem bekannt. Dass ihre Schöpferin in Massing das Licht der Welt erblickt hat und dort aufwuchs, wusste ich nicht. Wie sehr sie ihrem Heimatort verbunden war, wird in vielen ihrer Werke, die ich im Berta-Hummel-Museum gesehen habe, deutlich. In ihrem Geburtshaus am unteren Marktplatz werden Exponate ihres frühen Schaffens gezeigt. 


Kunstliebe und Kultursinn sagt man den Massingern nach. Begonnen habe ich mit der Pfarrkirche St. Stefan (um 1480). Nach einer gründlichen Restaurierung erstrahlt sie nun wieder in neuem Glanz. Besonders beeindruckt hat mich die Wallfahrtskirche Anzenberg (um 1750); sie ist wirklich ein Schmuckstück. Auch die Wallfahrtskirche in Staudach ist bedeutend, die ebenso wie die Kapelle in Moosvogl ein spätgotischer Ziegelbau ist. In der Kirche Oberdietfurt erstaunen mich vor allem die einmaligen gotischen Glasfenster. Auch die Sudetendeutsche und die Schlesische Heimatstube sowie die Fotoausstellung Mikonauschke im Rathaus sind einen Besuch wert.  

Fruchtbares, hügeliges Ackerland, Wiesen bis an die Ufer der Flüsse, auf den Höhen Waldflecken. Seit Menschengedenken leben Bauern hier im Rottal. Wenn ich in das Freilichtmuseum Massing eintrete, ist es, als würde ich eine Zeitreise wagen. Plötzlich sehe ich mich wieder als kleines Kind auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Sehe mich über Wiesen laufen, Schweine füttern und die Sonne auf der Hausbank genießen. So jedenfalls habe ich den Hofalltag in Erinnerung. Kindheitsträume. Dass die Wirklichkeit aber auch anders aussah, wird hier eindrucksvoll geschildert. Jede Besonderheit, jede Abnutzung und Umbauspur, jede Kleinigkeit, so wie es einmal war. Nicht nur die schönen Möbel und Trachten, die wertvollen Schüsseln und Geräte, sondern die tausend Dinge des Alltags, von der geflickten Arbeitsschürze bis zur Feldpostkarte, die hinter den Spiegeln geklemmt ist, fanden im Museum wieder ihren Platz und berichten von vergangener Zeit und verflossenem Leben. Fünf vollständige Bauernhöfe finde ich hier im Freilichtmuseum Massing: den großen Kochhof, den Lehnerhof, den Heilmeierhof, den alten Schusteröderhof und die kleine Marxensölde. Hausgartl, Misthaufen und Backofen, die Johannisbeerstauden, der wilde Holler, Kletten im Saugarten, all diese Dinge lassen einen Bauernhof vergangener Zeiten wiedererstehen und mit ihm die Bilder meiner Kindheit. Im Schusteröderhof lasse ich mir eine zünftige Brotzeit schmecken. Ein Brautpaar feiert gerade in der Stube seine Hochzeit. Der Wirt erzählt mir, dass sich im Museum eine Zweigstelle des Standesamtes befindet. Was für ein schöner Ort, um einen Bund fürs Leben zu schließen!


Wir gehen an modernen und interessanten Betrieben und am "Feng Shui" Wohngebiet vorbei. Später erklimmen wir einen Hügel und haben einen sehr schönen Blick auf Massing. 

Ich fühle mich wunderbar!  


Das Hallenbad in Massing ist das einzige des Landkreises. Zur Entspannung stehen den Badegästen Sauna und Sanarium zur Verfügung.



Leider habe ich keine Badesachen mit, deshalb muss ich heute auf den Besuch verzichten. Bei meinem nächsten Aufenthalt in Massing werde ich dran denken. So entschließe ich mich, mit einer Familie, die ich im Freilichtmuseum kennengelernt habe, die Umgebung näher zu erkunden. Die vielen Wanderwege in und um Massing laden ja förmlich dazu ein. Ob auf Schusters Rappen oder mit dem Fahrrad, es gibt immer was zu entdecken. Unser Weg führt uns erst einmal auf einen romantischen Waldweg. Als wir weiterlaufen, stehen wir plötzlich in "Amerika". So heißt ein kleiner Weiler in der Nähe von Massing. 



Feste soll man feiern wie sie fallen. Dies scheinen die Massinger ganz besonders gut zu verstehen. Das ganze Jahr über folgt hier ein Fest auf das andere. Viele dieser Veranstaltungen genießen überregionalen Ruf. Da wären zum einen die Brauchtumsfeste im Freilichtmuseum. Beim Lenzmarkt, Maibaumaufstellen, der Massinger Sonnwend mit Pferderennen im Museumsgelände, dem Arntbier, dem Hopfenfest oder dem Kirta, das ganze Jahr über wird hier echtes Brauchtum gelebt und gefeiert. Das jährlich stattfindende Marktplatzfest zieht mehrere tausend Besucher an. Jedes Jahr wird dieses Fest unter das Motto eines anderen Landes gestellt. Ob mexikanisch, französisch, österreichisch: Den Massingern gelingt es immer, das Flair des jeweiligen Landes in ihren Markt zu holen. Tradition und Fortschritt: in Massing ist die Verbindung dieser beiden Bereiche vorbildlich gelungen. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch. 

 

Denn eines steht nach diesem Tag für mich fest: Ich komme wieder.

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